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Begriff und Funktion

Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien (Macht, Geld, Liebe, Kunst und Wahrheit), auch Erfolgsmedien genannt, erzeugen eine "laufende Ermöglichung einer hochunwahrscheinlichen Kombination von Selektion und Motivation."[1] Sie "transformieren auf wunderbare Weise Nein-Wahrscheinlichkeiten in Ja-Wahrscheinlichkeiten."[2] Sie setzen "die Ja/Nein-Codierung von Sprache voraus und übernehmen die Funktion, die Annahme einer Kommunikation erwartbar zu machen in Fällen, in denen die Ablehnung wahrscheinlich ist."[3] Aufbauend auf der Ja/Nein-Codierung von Sprache entwickeln Erfolgsmedien weitere spezifische binäre Codes. Der Positivwert des Codes fungiert als Präferenz, als Symbol für Anschlussfähigkeit. Gleichzeitig funktioniert er auch als Legitimation für den Gebrauch des Codes selbst.

Medium Designationswert Refletionswert
Macht Macht Ohnmacht
Eigentum Haben Nicht-Haben
Geld Zahlen Nicht-Zahlen
Kunst Schön Häßlich
Wahrheit Wahr Unwahr
Liebe Lieben Nicht-Lieben

Symbolisch generalisiert sind die Medien insoweit, dass sie für mehr als nur in einer Situation bzw. Kommunikation Verwendung finden und selbst als das Bezeichnende nicht das Bezeichnete sind, sondern dieses nur repräsentieren. Ein Zeichen hingegen ist gleichzeitig das Bezeichnende und das Bezeichnete. Ein Pfeil nach links meint auch links lang. Das Geld hingegen symbolisiert die Vielfalt der Waren.

Erfolgsmedien beeinflussen sich nicht nur gegenseitigen, sondern sie bedingen sich auch gegenseitig. Die Tatsache, dass es Geld gibt, hängt davon ab, dass es auch andere Erfolgsmedien gibt, die es wiederum stützen. Macht/Recht -> Eigentum

Erfolgsmedien und Medien im Allgemeinen erbringen anspruchslose Sonderleistungen ad hoc. Bis zu ihrem Gebrauch liegen sie jedoch brach.[4] Medium halt, man denke an das Medium Luft, welches durch z.B. Spechen in eine bestimmte Form gebracht wird und so Schallwellen transportiert.

Neben dem, dass binäre Codes extrem Komplexität reduzieren, erzeugen sie auch Binnenunterscheidungen. In der weiteren Kommunikation kann man sich zwischen den beiden Seiten der Unterscheidung hin und her bewegen und bleibt innerhalb der Codierung. Dieses Kreuzen der inneren Grenze des Codes schafft eine eng gesteuerte Kommunikation, sozusagen eine Sonderwelt. Dadurch braucht eine spezifische Kommunikation sich nicht mehr auf den Gesamtbereich der Kommunikationsmöglichkeiten einlassen. Ein Unternehmer z.B. brauch sich nur noch auf Preisinformationen konzentrieren, ohne Probleme mit der Moral zu bekommen. Geiz ist geil.

In Bezug auf die Kommunikation von Aufrichtigkeit bilden sie zudem funktionale Äquivalente zur Moral. Während die Moral vereinheitlichte Plausibilitäten voraussetzt, motivieren sich Erfolgsmedien gegen diese gesetzten Plausibilitäten, splitten diese auf und können somit die Moral in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen ersetzen. Geld - kann ich zahlen oder nicht; Macht - wem gehorche ich und wem nicht; Wahrheit - wie kann ich was wissen und was nicht; Liebe - wen heirate ich und wen nicht; Kunst – was finde ich schön und was hässlich.

Durch das Kreuzen kann der Code selbst jene Objekt der Umwelt in die Kommunikationsweise des Systems überführen, welche offensichtlich nicht dazu gedacht waren, so kommuniziert zu werden. In diesem Sinne: Was kostet die Welt?

„In dem Maße, in dem der Übergang zum anderen Wert erleichtert wird, entsteht eine Kontextfreiheit der Operationen und damit viel Spielraum. (…) Deshalb bildet sich im Zuge der Evolution von Codierungen eine Zusatzsemantik von Kriterien, die festlegen, unter welchen Bedingungen die Zuteilung des positiven bzw. negativen Wertes richtig erfolgt. Wir werden diese Konditionierungen »Programme« nennen.“[5] Daraus folgt eine weitere wichtige Unterscheidung; die Differenz von fixiertem Präferenzcode und variablen Konditionierungen, den Programmen.

Quellen

<references>

  1. Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1997, ISBN 3-518-58240-2, S.320
  2. Ebd., S.320
  3. Ebd., S.316
  4. Ebd., S.358
  5. Ebd., S.362